Strandarkirkja in Selvogur

Der Gutshof Strönd in Selvogur war durch die Jahrhunderte Besitz prominenter Familien.
Strandarkirkja wird erst um 1200 in Dokumenten erwähnt, aber eine Kirche ist mit ziemlicher Sicherheit kurz nach der Annahme des Christentums im Jahre 1000 an Strönd errichetet worden.
Während der Vorreformatorischen Zeit war die Kirche an Strönd der Gottesmutter Maria und dem heiligen Thomas Becket von Canterbury geweiht.
Eine Gemeindekirche gab es zur selben Zeit auf dem Gutshof Nes.
Landschaden aufgrund der Wetter- und Meereskräfte haben die Lebensbedingungen in Selvogur erheblich verschlechtert, und um die Jahrhundertwende 1700 herum ist der Gutshof Strönd verwüstet und verlassen worden.
Nur die Kirche, einsam auf einer schwarzen Sanddüne am offenen Ozean ist übriggeblieben. Ungeschützt gegen Wind und Wetter, wie eine Wehranlage die nicht aufgegeben wird, wie eine Festung die nicht besiegt oder niedergerissen wird, stand sie weiter da.
Die Kirche ist mehrmals auf derselben Grundmauer neu errichtet worden.
Die Gemeindeglieder haben sich immer sehr um ihre Kirche gekümmert. Alle Vorschläge und Versuche in den früheren Jahrzehnten eine mehr geschützte und bessere Lage für die Kirche zu finden, haben sie festbeschlossen abgeschlagen.
Die jetzige Kirche ist im Jahr 1888 gebaut, aber in den Jahren 1968 und 1996 gründlich renoviert und neu geweiht worden.
Strandarkirkja hat den Ruf Votivgaben immer positiv zu erwidern und für den eigenen Bestand gut zu sorgen.

Engilsvík (Englesbucht)

Eine Legende aus Selvogur.
Einmal, für sehr, sehr langer Zeit ist ein junger Bauer aus dem Landkreis Arnessysla mit eigenem Schiff nach Norwegen gesegelt, um gutes Holz für den Neubau seines Hofes zu kaufen.
Die Geschäfte sind gut gegangen. Das Schiff, mit Holz beladen, ist Richtung Island zurückgekehrt. Die Seereise ging nur langsam und im dunklen Sturmwetter verloren die Schiffer die Orientierung und wüssten nicht weiter. Verzweifelt versprach der junge Bauer dass er, wo das Schiff in Sicherheit ans Land käme, mit dem Holz, das er für den Bau seines eigenen Hauses bestimmt hatte, eine Kirche errichten würde.
Als er seine Versprechung ausgesprochen hatte, ist ihm ein leuchtendes Wesen vor dem Bug des Schiffes erschienen; ein Lichtengel. Er setzte sein Vertrauen auf den Engel und peilte ihm nach, bis das Schiff in einer kleinen Sandbucht zwischen Meeresfelsen auf Grund ging.
Der Engel ist dann verschwunden und ein neuer Tag hat aufgedämmert. Es würde den Schiffern dann klar, daß sie durch eine schmale, krumme Rinne zwischen Brandungsfelsen am Ufer des Ozeans geführt worden sind.
Dort, kurz oberhalb eines Geröllkammes, ist die erste Strandarkirkja von dem versprochenen Holz gebaut worden. Seitdem heißt es Engilsvík – Engelsbucht – wo das Schiff gelandet hat.

Eine Votivkirche

Der Glaube an Widmungen/Votive zeigt ein Vertrauen in gute und positive Mächte. Im Glauben an Strandarkirkja erscheint die Überzeugung dass es eine schützende Macht gibt, die uns den Menschen verborgen bleibt.
Votive an Heiligen und Kirchen waren während der katholischen Zeit in Island üblich. Strandarkirkja hat nicht mehr oder weninger als andere Kirchen davon genossen. Das Heilige Kreuz in Kaldaðarnes und das Reliquienschrein vom Heiligen Thorlak im Dom von Skálholt waren die beliebtesten Votiv- und Wallfahrtsorten in Süd-Island.
Nach der Reformation in 16. Jahrhundert scheint dem religiösen Bedarf für Votive und Witmungen ein Annähmer gefehlt zu haben, aber einen Nachfolger in Strandarkirkja gefunden.
Der Glauben und die Gebete segnen und heiligen den Ort und das Gebeude. Jedes Gebet schließt ein Ruf der Hoffnung ein, vorgetragen im Vertrauen an Gott der weiß, versteht und erhört.